Faszination Parfum-Flakons

Parfum-Flakon Armani Attitude

Parfum-Flakon Armani Attitude

Was kann einem neuen Parfum im schlimmsten Fall passieren?

Richtig: dass das Parfum übersehen wird. Bei kaum einem anderen Produkt, ist die optische Erscheinung so spannend und vielfältig. Stetig kommen neue Parfums auf den Markt und nur die mit den außergewöhnlichsten Flakons, fallen den Kunden als erstes auf. Parfum und Flakon müssen miteinander harmonieren und gleichzeitig einen Namen transportieren.

Fast alle Nobel-Automarken vertreiben inzwischen ihre eigene Parfum-Linie. Ein Flakon der deutschen Nobel-Automarke, wäre ohne den obligatorischen Stern undenkbar. Um diesen Stern herum einen einzigartigen Parfum-Flakon zu entwerfen, ist die anspruchsvolle Aufgabe des Flakon-Designers. Aus Glas, Kunststoff oder Metall erschaffen Designer kleine Kunstwerke und verschließen diese mit einem dekorativen Stöpsel. Im Laufe der Jahrhunderte sind so viele Mini-Unikate entstanden, die nicht nur Sammlerherzen höher schlagen lassen. Dabei ist die Idee Parfum in Flakons zu lagern, keineswegs neuzeitlich. Schon im Grab der altägyptischen Pharaonin Hatschepsut, fand Howard Carter seinerzeit einen tönernen Flakon. Erst kürzlich spürte man darin 3.500 Jahre alte Spuren, des damals unbezahlbaren Duftes der Herrscherin auf. Im Abendland waren Parfum-Flakons lange Zeit wenig bekannt, selten wurde ein Duft aus dem Apotheker-Fläschchen in ein hübscheres Gefäße gefüllt.

Als einer der Vorreiter des heutigen Flakon-Designs gilt der Franzose René Jules Lalique. Lalique ist mit der berühmteste Glas- und Schmuckdesigner des Art Déco und des Art Nouveau. Mit einer einzigartigen, kunstvoll geschwungenen Linienführung erschuf er unvergleichliche kleine Kunstwerke, deren Motive oft aus der Natur stammten. Etwa ab 1910 widmete er sich vollkommen seiner Leidenschaft zur Glaskunst. Lalique entwickelte Verfahren, welche die Kosten für hochwertige Flakons rapide senkten. René Jules Lalique kreierte Flakons für die bekanntesten Parfümerien der damaligen Zeit. Nach seinem Tod trat sein Sohn Marc erfolgreich in die Fußstapfen seines Vaters. Bis heute eindrucksvolles Zeugnis des Schaffens von Marc Lalique ist der L’Air du Temps-Flakon von Nina Ricci. Den Duft L’Air du Temps kreierte das Haus Ricci kurz nach dem Krieg. Den Flakon zieren Friedenstauben – Duft und Flakon haben bis heute ihre Faszination nicht verloren.

Dass nicht immer Verspieltheit Trumpf ist, bewies in 2008 der Flakon den die Gerresheimer AG aus Düsseldorf für den Armani-Duft ‘Attitude’ entwickelte. Ein einfacher Quader aus lackschwarzem Glas, dessen Vor- und Rückseite geometrisch angeordnete, rautenförmige Vertiefungen zieren. Nicht weniger wichtig ist der Verschluss, schließlich ist ist ein Flakon keine Flasche Wein, die man einfach mit einem Korken zupfropft.

Attitude verschließt ein praktischer, chromfarbener Schnappverschluss. Sicher nicht ganz unbeabsichtigt, erinnert der Flakon in faszinierender Weise an ein klassisches Zippo-Feuerzeug. Dass man einen Armani-Duft in Händen hält, verrät ausschließlich eine unauffällige Prägung an der Verschlusskappe. Design pur – kein Wunder, dass Gerresheimer für diese geniale Idee einen FiFi Award der Fragrance Foundation einheimste.

Ein weiteres Traditionshaus der Flakon-Manufaktur ist im oberfränkischen Kleintettau zu Hause. Seit 1622 stellt das Unternehmen Heinz-Glas vorwiegend Parfümerie-Flakons her. Im Gegensatz zu früher, bedient man sich heute freilich modernster Technik. Die Flakons werden aus edlem Kristallglas, aus Farbglas oder opalinem Glas hergestellt. Die Veredelung erfolgt mittels unterschiedlichster Verfahren, wie der Lasertechnik. Mit Mattierung oder Sandstrahlung erreicht man dabei faszinierende Ergebnisse. Neben Metallisierung, Prägung und Siebdruck, gibt es zahlreiche weitere Veredlungsmöglichkeiten – die aus jedem Flakon, ein kleines Kunstwerk machen.